Internet Briefing zum Thema «E-Government»

Kennen Sie die Sagrada Familia? Ich habe sie bis zum letzten Internet Briefing in Bern zum Thema «E-Government» nicht gekannt. Anschlussfrage: Was haben diese römisch-katholische Basilika in Barcelona und E-Government in der Schweiz gemein? Richtig! Beides sind offene Baustellen, deren Ende nicht absehbar ist.

Mit diesem Vergleich stieg Benno Häfliger, Director Public Service bei Netcetera, am Internet Briefing ins Thema E-Government ein. Zusammen mit dem zweiten Referenten Andreas Spichiger, Berner Fachhochschule für Wirtschaft und Verwaltung, machte er eine Standortbestimmung in Sache E-Government und gab einen Ausblick auf die anstehenden Herausforderungen. Gleich vorab: Die zwei Referenten konnten viele Vorurteile gegenüber E-Government («kostet viel und bringt nix») ausräumen bzw. die Komplexität der ganzen Angelegenheit darlegen. In der Diskussion mit den anwesenden Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung gewann der geneigte Besucher des Internet Briefings zudem den Eindruck, dass es tief in den Mühlen der Verwaltungen und unterhalb des Radars der parteipolitisch motivierten Alltagspolitik innovative und motivierte Kräfte gibt, die langsam, aber stetig das Thema E-Government in der Schweiz vorantreiben.

Auf dem Weg zur vernetzten Verwaltung

Andreas Spichiger illustrierte die Komplexität des Themas eindrucksvoll anhand einiger Zahlen. Damit E-Government wirksam werden kann, müssen in der Schweiz 4000 Behörden so vernetzt werden, dass sie rund 780‘000 Unternehmen und gut 9 Millionen Menschen im Internet nützliche Dienste und eine einfache Kommunikation anbieten können. Das bedeutet insbesondere einen behördenübergreifenden Zugang zu Dienstleistungen und Transaktionsmöglichkeiten sowie eine behördenübergreifende Verwaltung und Verteilung von Daten. Denn die Kunden, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger, wünschen sich möglichst wenige Anlaufstellen, um ihre Geschäfte mit der Verwaltung abzuwickeln. Bei einem Umzug innerhalb der Schweiz beispielsweise muss sich der Bürger bei der aktuellen Wohngemeinde abmelden und bei der neuen Gemeinde anmelden – also zwei Behördengänge. Erstrebenswert wäre, dass solch administrative Aufgaben mit einer Servicedienstleistung übers Internet erledigt werden könnten.

Benno Häfliger sieht auf dem Weg dahin zwei grosse Trends. Einerseits die vernetzte Verwaltung, wie sie das eCH-White Paper «Vernetzte Verwaltung – Organisationskonzept für ein föderales E-Government Schweiz» skizziert hat. Das Papier zeigt auf, wie die Serviceorientierung und Produktivität der Verwaltung durch die verwaltungsübergreifende Vernetzung von Leistungen, Prozessen sowie von Vertrieb- und Produktionsinfrastrukturen erreicht werden kann. Andererseits spricht er sich für eine Cloud im Internet aus, die den Bürgern als eine Art digitaler Save eine Möglichkeit bietet, um Dokumente und Daten sicher zu speichern. Eine grosse Herausforderung auf dem Weg dahin ist, Unternehmen und Bürgern in der digitalen Öffentlichkeit eine eindeutige Identität zu geben bzw. die Identifizierbarkeit so zu ermöglichen, dass ein reibungsloser und sicherer Verkehr mit den Behörden gewährleistet werden kann.

Kritische Betrachtungen

E-Government bedeutet, dass Unternehmen und Bürger immer mehr in administrative Prozesse miteinbezogen werden. Dies heisst aber auch, dass ein Teil dieser Aufgaben an die Kunden externalisiert werden. Dies kennen wir im privatwirtschaftlich organisierten Dienstleistungssektor schon länger (zum Beispiel das Erfassen von Zahlungen via E-Banking). Kritisch beurteilt wird zudem die Frage, ob Verwaltungen überhaupt ein Interesse haben, effizienter zu arbeiten. Auch sie sind am Ende des Tages bloss Budgetoptimierer. Diesbezüglich vertrete ich ganz klar die Meinung, dass das Thema E-Government eben nicht nur die E-Administration, sondern auch das Thema E-Partizipation umfasst. Das heisst, Bürger sollten mehr über die Budgets der Verwaltung sowie die Art und Weise, wie sie mit ihr Verkehren wollen, mitbestimmen können. So entsteht einerseits Druck auf die Behörden, nach effizienten und innovativen Lösungen zu suchen, und andererseits sind die Behörden selbst näher an den Bedürfnissen ihrer Kunden.

Weiterführend

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